„Die Frage, die das Warten in sich birgt: es birgt sie, ohne doch mit ihr eins zu werden. Eine Frage gleichsam, die erst am Ende des Wartens vorgebracht werden könnte, wäre es nicht das Wesen des Wartens, selbst wenn es endet, ohne Ende zu sein.
Die Frage im Warten: das Warten birgt eine Frage, die nicht gestellt wird. Beiden gemeinsam ist das Unendliche, das in der kleinsten Frage, wie im schwächsten Warten liegt. Keine Antwort, sobald man fragt, die der Frage genügte.“
Warten – Vergessen, Maurice Blanchot
März 3, 2010Warten Vergessen, Maurice Blanchot
März 2, 2010„Warten schenkt Zeit und nimmt Zeit, doch die es schenkt und die es nimmt, ist nicht dieselbe. Also fehlte ihm, wenn er wartet, gerade die Zeit zum Warten. Dieser Überfluss an fehlender Zeit, dieser Zeitmangel im Überfluß. “Wird das etwa noch lange dauern?“ – „Wenn sie es als Dauer empfinden immer: immer.“
… Eine Frage gleichsam, die erst am Ende des Wartens vorgebracht werden könnte, wäre es nicht das Wesen des Wartens, selbst wenn es endet, ohne Ende zu sein.“
Aphorismus zum Thema
Januar 5, 2010„So sehr sind wir gewöhnt, im Warten zu leben, auf die Zukunft oder ein Trugbild der Zukunft zu setzen, dass wir die Idee der Unsterblichkeit nur aus dem Bedürfnis geschaffen haben, eine ganze Ewigkeit lang zu warten.“
E.M. Cioran
Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch eröffnet persönlich das Pfingstsymposion München 2010
Dezember 12, 2009Willkommen zum Pfingsymposion München
Dezember 12, 2009Warten Sie gerne?
Wartet man auf etwas Bestimmtes, so wartet man schon etwas weniger.
Warteschlange, Wartezimmer, Wartesaal, Warteliste, Wartefrau, Wartezeit, Erwartung … geduldiges, sehnsüchtiges, vergebliches Warten … ?
Das Grimm´sche Wörterbuch schreibt: der Wartende schaut nach etwas, harrt, bis es kommt. Ein Zustand des Übergangs, ein Ereignis ohne Ereignis, ein Stillstehen der Zeit etwa?
Für den Komponisten Pascal Dusapin ist Warten ein wesentliches Element in seinem schöpferischen Prozess „Denn um zu komponieren, wartet man besser. Lange. In dieser langen, beinahe verlorenen Zeit (die sich in den Details des Schreibens verliert) spielt sich das Warten ab. Warten heißt finden. Um zu finden, muss man Zeit verlieren. Dieser Verlust ist das Warten. Ich bin stets überrascht, wenn ich feststelle, wie das, was Gegenstand meiner Suche war, während des Wartens kommt.“
In „Warten und Vergessen“ macht Maurice Blanchot das Stillstehen der Zeit fühlbar, spürbar, nachempfindbar.
Warten, bereit sein bis „Es“ schießt, wie es der ZenMeister des japanischen Bogenschießens lehrt. Der Schütze den Pfeil auflegt, den Bogen hochnimmt, ihn spannt und in höchster geistiger Wachheit wartend verweilt.
Finden im Warten die Koinzidenzien von Bewusstem und Unbewusstem statt, in der Konzentration auf das was kommt, was Innovatives hervorbringt?
Vielleicht befinden wir uns permanent in einem Wartesaal, das Alte im Gepäck, und wissen nicht, dass Neues nur da hervorkommt, wo Vorhandenes und Vergessenes miteinander verknüpft werden, wo Sicherheiten verlassen werden?
Das Pfingstsymposion München 2010 widmet sich dem Warten,
einem Phänomen, dem in unserer Schnelllebigkeit eigentlich kein Raum zusteht, das, trifft es ein, Stress erzeugt, als Belastung und Zumutung wahrgenommen wird, als eine Dauer die „totgeschlagen“ werden muss –
und übersieht, verdrängt, missachtet dabei die Potentiale dieses Zustands.
Das Symposion lädt Experten aus Kunst und Wissenschaft zum interdisziplinären Diskurs, zu Vorträgen, Diskussionen und Konzerten, wie bei den vorangegangenen Symposien, ein. Es wird im Orff-Zentrum, Kaulbachstr.16 in München stattfinden.
Ulrike Trüstedt