Willkommen zum Pfingsymposion München

Warten Sie gerne?
Wartet man auf etwas Bestimmtes, so wartet man schon etwas weniger.
Warteschlange, Wartezimmer, Wartesaal, Warteliste, Wartefrau, Wartezeit, Erwartung … geduldiges, sehnsüchtiges, vergebliches Warten … ?
Das Grimm´sche Wörterbuch schreibt: der Wartende schaut nach etwas, harrt, bis es kommt. Ein Zustand des Übergangs, ein Ereignis ohne Ereignis, ein Stillstehen der Zeit etwa?

Für den Komponisten Pascal Dusapin ist Warten ein wesentliches Element in seinem schöpferischen Prozess „Denn um zu komponieren, wartet man besser. Lange. In dieser langen, beinahe verlorenen Zeit (die sich in den Details des Schreibens verliert) spielt sich das Warten ab. Warten heißt finden. Um zu finden, muss man Zeit verlieren. Dieser Verlust ist das Warten. Ich bin stets überrascht, wenn ich feststelle, wie das, was Gegenstand meiner Suche war, während des Wartens kommt.“
In „Warten und Vergessen“ macht Maurice Blanchot das Stillstehen der Zeit fühlbar, spürbar, nachempfindbar.

Warten, bereit sein bis „Es“ schießt, wie es der ZenMeister des japanischen Bogenschießens lehrt. Der Schütze den Pfeil auflegt, den Bogen hochnimmt, ihn spannt und in höchster  geistiger Wachheit wartend verweilt.
Finden im Warten die Koinzidenzien von Bewusstem und Unbewusstem statt, in der Konzentration auf das was kommt, was Innovatives hervorbringt?
Vielleicht befinden wir uns permanent in einem Wartesaal, das Alte im Gepäck, und wissen nicht, dass Neues nur da hervorkommt, wo Vorhandenes und Vergessenes miteinander verknüpft werden, wo Sicherheiten verlassen werden?

Das Pfingstsymposion München 2010 widmet sich dem Warten,
einem Phänomen, dem in unserer Schnelllebigkeit eigentlich kein Raum zusteht, das, trifft es ein, Stress erzeugt, als Belastung und Zumutung wahrgenommen wird, als eine Dauer die „totgeschlagen“ werden muss –
und übersieht, verdrängt, missachtet dabei die Potentiale dieses Zustands.

Das Symposion lädt Experten aus Kunst und Wissenschaft zum interdisziplinären Diskurs, zu Vorträgen, Diskussionen und Konzerten, wie bei den vorangegangenen Symposien, ein. Es wird im Orff-Zentrum, Kaulbachstr.16  in München stattfinden.

Ulrike Trüstedt

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